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Finanzpolitik in der Wirtschaftskrise

 

Schulden von heute sind die Steuern von morgen. Schulden hat der Bund nicht gerade wenig. Um der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise gegenzusteuern und Schlimmeres von der Volkswirtschaft abzuwenden, mag es gerechtfertigt sein, wenn der Staat von der schwäbischen Hausfrauentugend „nicht mehr ausgeben als man einnimmt“ abweicht. Hätte der Bund in den wirtschaftlichen Boomjahren eine restriktivere Haushaltspolitik betrieben und konsequenter die Staatsverschuldung abgebaut, wäre der finanzielle Spielraum in der Krise größer gewesen. Die Grundsätze antizyklischer Ausgabenpolitik sollten auch im Bund keine unbekannten Lehrsätze sein.

Baden-Württemberg hat im Jahr 2008 erstmals seit 35 Jahren keine neuen Schulden aufgenommen. Dies war eine historische Weichenstellung. In der Landeshaushaltsordnung wurde verankert, dass der zum 31.12.2007 Schuldenstand dauerhaft nicht mehr überschritten werden darf. Mit der Umsetzung der Föderalismuskommission II wird ein grundsätzliches Schuldenverbot mit Verfassungsrang eingeführt.

Auch in Zeiten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hält Baden-Württemberg am soliden Wirtschaften fest. Am 17. Juni 2009 wurde der 2. Nachtrag zum Haushalt 2009 durch den Landtag verabschiedet. Trotz erheblicher Steuermindereinnahmen, die durch die Steuerschätzung prognostiziert werden, wird auch im Jahr 2009 weiter daran festgehalten, dass das Land nicht mehr ausgibt als es einnimmt. Dies obwohl wir wissen, dass im laufenden Jahr mit 700 Millionen Steuermindereinnahmen rechnen müssen. Aber anders ist der Teufelskreis zwischen immer mehr Schulden und immer höheren Steuern nicht zu durchbrechen.

Der Haushalt 2009 ist nicht nur ein Haushalt des Sparens, sondern auch ein Haushalt der Investitionen, der damit Arbeitsplätze in unserem Land sichern soll. Trotz der enormen Verpflichtungen des Länderfinanzausgleichs konnten wir im Land Rücklagen bilden. Mit diesen Rücklagen wird ein Infrastrukturprogramm aufgelegt, die die Härten für unsere Wirtschaft in der Krise abmildert. Mit dem Konjunkturprogramm des Bundes und des Infrastrukturprogramms Baden-Württemberg stehen 2,1 Milliarden Euro für Investitionen des Landes und seiner Kommunen zur Verfügung. Vom Bund erhalten wir 1,2 Milliarden Euro. Davon fließen 805 Millionen Euro in die Bildungsinfrastruktur des Landes und der Kommunen. Weitere 433 Millionen geben wir für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung. Land und Kommunen tragen mit zusätzlich 412 Millionen Euro zur Kofinanzierung bei.

Ein Betrag von 350 Millionen Euro. Der ursprünglich zur Schuldtilgung in 2008 vorgesehen war, wird für Infrastrukturprogramme des Landes umgewidmet. Durch das Konjunkturprogramm des Bundes ist eine teilweise Neuorientierung erforderlich geworden. Das Geld wird vollständig für Investitionen verwendet.

 

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© Dr. Reinhard Löffler MdL

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