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CO2 -Abgabe, nein danke!

Die Bewahrung der Schöpfung gehört als christdemokratisches Denken zu unserem Wertesystem. Sinnvolle Anreize und Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und des Klimas zu schaffen, sind Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Dennoch leben wir in einem globalen Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie, das es auszubalancieren gilt. Mit der Forderung nach energieeffizientem Bauen, Energiepass und Wärmegesetz haben wir in Baden-Württemberg Akzente gesetzt, die den Bürger nicht unerheblich belasten werden. Andern Bundesländern sind wir weit voraus.

Gestützt auf die Initiative unseres Umweltministeriums hat der CDU-Landesparteitag in Freiburg mehrheitlich beschlossen, eine Gesetzesinitiative zur CO2-Abgabe für den Flugverkehr im Bund einzubringen. Die Medien haben das dankbar aufgenommen. „Respice finem“ pflegte unser ehemaliger Ministerpräsident Erwin Teufel zu sagen. Recht hat er, man muss die Sache zu Ende denken. Umweltpolitik sollte nicht Ideologie- sondern Realpolitik werden. Sie muss in einem ausgewogenen Verhältnis zur Wirtschaftskraft unseres Landes stehen. Eine CO2-Abgabe für den Flugverkehr belastet nicht nur die vielzitierten Billigflieger. Nachhaltige Auswirkungen auf die Transportkosten unserer mittelständischen Unternehmen werden nicht ausbleiben. Allein im letzten Halbjahr 2007 haben wir für 72 Milliarden Euro Waren ins Ausland exportiert. Ein Großteil davon ging per Luftfracht ins Ausland. Keine Frage, unsere Wirtschaft boomt. Alle Branchen, Produktion und Dienstleistung sind auf Expansionskurs. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,4 % haben wir nicht nur den besten Arbeitsmarkt in Deutschland, wir sind einen Wimpernschlag von der Vollbeschäftigung entfernt. Wir haben nicht nur in Deutschland und Europa eine Spitzenstellung, wir sind auf Augenhöhe mit den erfolgreichsten Volkswirtschaften. Das aber kann kein Grund sein, die Wirtschaft zu belasten. Rezessionsimmun ist unsere Wirtschaft nicht.

Von Rezession zu reden ist keine Schwarzmalerei. Die Immobilienkrise in den USA veranlasst die US-Banken, ihre Kredite zurückzufahren. Investitionen bleiben mangels Finanzierung aus und auch für den Verbraucher wird es immer schwieriger, Konsum auf Kredit zu finanzieren. In Amerika steht ein Konjunktureinbruch bevor. Auch wenn die baden-württembergischen Exporte in die asiatischen Länder bedeutsamer werden als die Exporte in die USA, darf nicht übersehen werden, dass die US-Wirtschaft noch immer der wichtigste Motor für die Weltwirtschaft ist. Es ist eine Börsenweisheit, wenn Amerika einen Schnupfen hat, bekommen wir eine Erkältung. Hinzu kommt, dass sich der Höhenflug des Euros weiter fortsetzt und Dollar und Yen zunehmend an Wert verlieren. Solange das Währungsrisiko versichert ist, lässt sich das noch hinnehmen. Mit dem Auslaufen der Versicherungen wird sich der Export verteuern. Zur Zeit steigt in Deutschland die Inflationsrate. Die Europäische Zentralbank verzeichnet ein Rekordwachstum der Geldmenge um 12,3 Prozent. Die Inflationsgefahr bedroht die Stabilität. Bleiben die Zinsen unverändert, wird sich der Aufwärtstrend des Euros kaum stoppen lassen. Die Konjunktur wird sich abkühlen und der Arbeitsmarkt dürfte bald folgen. Vor diesem Hintergrund ist eine CO2-Abgabe für den Flugverkehr für unsere mittelständische Industrie kontraproduktiv. Kontraproduktiv wäre auch, wenn unserer Unternehmen die Güter auf die Strasse verlagern und Frachtflughäfen ins benachbarte Ausland transportieren.

Es besteht auch kein Handlungszwang, der europäischen Politik vorzugreifen. Die EU-Kommission hat bereits einen Plan vorgelegt, die Treibhausgasemissionen im Luftverkehr einzudämmen. Der Energieverbrauch und die Produktion von CO2 im Flugverkehr sind hoch. Zudem können Kondensstreifen bei feuchter Witterung dünne Schleierwolken entwickeln, die sich physikalisch ähnlich verhalten wie Treibhausgase: Sonnenlicht wird ungehindert durchgelassen, die Abstrahlung der Erde und der unteren Luftschichten im infraroten Bereich jedoch absorbiert. Aus diesem Grund soll der Flugverkehr ab 2011 in das Emissionshandelssystem der Gemeinschaft einbezogen werden. Fluggesellschaften erhalten handelbare Emissionszertifikate, die sie zum Ausstoß einer bestimmten Menge Kohlendioxid berechtigen. Liegen sie höher, müssen Zertifikate zugekauft werden. Bei tieferen Werten können Zertifikate veräußert werden. Andere Maßnahmen, wie die Besteuerung von Flugtickets, Startgebühren oder Emissionsabgaben, hat die EU-Kommission ausdrücklich verworfen. Eine CO2-Abgabe für den Flugverkehr in Deutschland wird die Industrie schon jetzt und künftig doppelt belasten. Einmal eingeführt, haben Steuern und Abgaben ein zähes Leben wie das Beispiel Sektsteuer zeigt. Sie diente Anfang des letzten Jahrhunderts dazu, die Kriegsschiffe des Deutschen Reichs zu finanzieren. Die Flotte ist schon zwei Mal untergegangen. Die Sektsteuer besteht noch heute. Wir müssen in Deutschland nicht den Abgabevorreiter spielen, denn wir praktizieren bereits eine vorbildliche Umweltpolitik.

Zu rügen ist allerdings die Haltung der EVP-ED Fraktion im Europaparlament. Geht es nach ihr, dürfen nur 25% der Zertifikate verkauft werden. Die übrigen Zertifikate sollen kostenlos verteilt werden. Damit würde der Emissionshandel im Luftverkehr zu einem ähnlich stumpfen Schwert wie ihr Gegenstück in der europäischen Energieindustrie. Dort hat der Emissionshandel zu einer zusätzlichen Bereicherung der Kraftwerksbetreiber auf Kosten der Verbraucher geführt. Die Energiewirtschaft hat nämlich die kostenlosen Emissionszertifikate als Opportunitätskosten in den Strompreis eingerechnet. Dagegen hat die CDU Fraktion im Landtag Stellung bezogen. Mit Erfolg, denn in der jetzigen Handelsperiode werden die Zertifikate versteigert. Den gleichen Fehler zu wiederholen, wäre fatal. Es wäre wünschenswert, wenn CDU und CSU im europäischen Parlament darauf hinwirken, dass ein Anreizsystem geschaffen wird, dass Luftfahrtunternehmen ihre Emissionen minimieren. Damit wäre auch eine deutsche CO2-Abgabe für den Flugverkehr überflüssig.

Ermutigend war, dass sich wenigstens die Junge Union nicht verunsichern lässt und sich eindeutig gegen die CO2-Abgabe für den Flugverkehr ausspricht. Das gibt Hoffnung, denn die Junge Union steht nun wirklich nicht im Verdacht, Umweltsünder zu sein.

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© Dr. Reinhard Löffler MdL

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