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Investieren in Mexiko, Salsa oder Trauermarsch?

 

Nach der Zeitrechnung der Maya wird unsere Welt am 21. Dezember 2012 untergehen. Ihr Kalender, der an astronomischer Genauigkeit beeindruckt, springt nach 5000 Jahren wieder auf Null. Am 22. Dezember 2012 wird die Sonne bei der Wintersonnenwende in einer Ebene mit einem Sternentor im Zentrum unserer Galaxis stehen. Eine Besonderheit, die nur alle 25.800 Jahre eintritt. Dieses astronomische Ereignis, so die Prophezeiung der Mayas, ist begleitet von gigantischen Naturkatastrophen. An dem Tag, an dem sich die Pforten des Sternentors öffnen, schließen die Götter die alte Welt und schaffen eine neue Welt. Mit dem Weltuntergang kannten sich die Mayas aus. Sie haben ihren eigenen Untergang im 9 Jahrhundert vor Christus richtig vorausgesagt. Wer in Lateinamerika und insbesondere in Mexiko investieren will, hat also Grund zur Eile.

Der mexikanischen Staatspräsidenten Felipe Calderon und Ministerpräsident Günther Oettinger zeigen sich wenig beeindruckt von der Astronomie der Mayas. Im Juni 2007 vereinbarten sie in Stuttgart die wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und Mexiko zu vertiefen. Seit Anfang der 90er Jahre unterhält das Land Baden-Württemberg gute wirtschaftliche Beziehungen zu Mexiko. Das German Center in Mexiko-City, das unter der Trägerschaft der Landesbank Baden-Württemberg steht und mit Unterstützung durch die baden-württembergische Landesregierung gebaut wurde, ist der bisher sichtbarste Ausdruck der wechselseitigen Beziehungen. Künftig soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit um die Bereiche Wissenschaft, Bildung, Kultur, Touristik und Messen erweitert und mit dem Austausch von Nachwuchskräften sowie Bildungskooperationen flankiert werden. Der Ministerpräsident beauftragte das Wirtschaftsministerium und sandte unter der Federführung von Staatssekretär Richard Drautz, eine Delegation nach Mexiko City hierfür ein umfassendes Konzept zu entwerfen. Politische Gespräche sollten in Mexiko City geführt und diese mit einer Kontakt- und Kooperationsbörse für Unternehmen sowie einer Baden-Württemberg-Präsentation in Mexiko City verbunden werden. Ziel ist, diese Kooperation bis zum Jahr 2010 abzuschließen. Dieses Jahr ist für Mexiko von besonderer Bedeutung, weil das Land vor 200 Jahren die Unabhängigkeit von Spanien erklärt und 1910 mit der Mexikanischen Revolution die Diktatur überwunden hatte. Mexiko wird 2010 auch Partnerland auf der CMT in Stuttgart sein.

Der Standort Mexiko ist nicht nur bei der baden-württembergischen Industrie gefragt. VW produziert seit vielen Jahren in Puebla. Der VW-Beetle wird ausschließlich dort gefertigt und in die ganze Welt verschickt. Mexiko hat Freihandelsabkommen mit 46 Ländern, einschließlich NAFTA und der EU und erreicht so fast 1 Milliarde Konsumenten. Deutsche Automobilzulieferer haben mit VW mit Erfolg ein Mobilitätscluster aufgebaut. Der Umsatz dieser Firmen ist in den letzten Jahren beständig gewachsen, teils mit zweistelligen Zuwachsraten. „Wer die Attraktivität des Standorts Mexiko nutzen will“, so Susanna Hess-Kalcher, die Leiterin des German Center in Mexiko, „braucht nur mit einem Laptop und einer Geschäftsidee zu kommen. Ein deutsches Management und erfahrene Dienstleister unterstützen bei Aufbau der Geschäfte und bieten eine komplette Infrastruktur in dem 18.000 qm großen Business Center“.

Wer seine Fühler auf den mexikanischen Markt streckt, muss nicht nur mit einem schwierigen, teilweise auch unsicherem Rechtssystem rechnen sondern auch mit einem bürokratischen Apparat, für den Korruption eher ein Kavaliersdelikt als ein Straftatbestand ist. Natürlich unternimmt die mexikanische Regierung alles diese Missstände zu beheben. Fabricio Baur, ein Unternehmer aus Esslingen, ist seit 40 Jahren in Mexiko. Er baute dort das Zulieferunternehmen Bocar auf, das an neun Standorten in Mexiko 4.500 Menschen beschäftigt und alle Automobilproduktionsstätten beliefert. Fabrico Baur klagt: „ich muss viel Geld für Anwälte ausgeben, kämpfe täglich mit der mexikanischen Bürokratie und stelle fest, die Drogenkartelle haben selbst staatliche Stellen unterwandert und gegen die Kriminalität ist der Staat nahezu machtlos“. Eine ernüchternde Bilanz von der man von offizieller Stelle nichts wissen will und dennoch meint Fabrico Baur: „ Mexiko ist ein großartiges Land für Unternehmen und ich freue mich, dass meine Söhne weitermachen wollen“.

Die neue Regierung in Mexiko hat sich ehrgeizige Pläne gegeben. Am 02. Juli 2006 wählten die Mexikaner den konservativen Kandidaten Felipe Calderón von der Partei "Partido Acción Nacional" (PAN) mit knapper Mehrheit zum neuen Präsidenten. Sein unterlegener linker Gegenkandidat Andrés Manuel López Obrador von der Partei "Partido Revolucionario Institucional" (PRD) hatte die Wahl angefochten und versuchte, mithilfe von Mobilisierungen der Straße und Blockaden seiner Behauptung, es habe einen groß angelegten Wahlbetrug gegeben, Nachdruck zu verleihen. Nachdem der Sieg Calderóns vom Bundeswahlgericht in letzter Instanz bestätigt wurde, hat dieser sein Amt am 01. Dezember 2006 angetreten.

Ungeachtet der innenpolitischen Situation hat Felipe Calderon ein ehrgeiziges „Projekt der großen Vision“ aufgelegt. Wesentliche Schwerpunkte sind der Ausbau der Infrastruktur (Verkehrswege, Wohnungsbau, touristische Komplexe) sowie die weitere vorsichtige Öffnung des Energiesektors für privates Kapital. Seine wichtigsten Ziele sind die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit, die Bekämpfung der Armut und sozialen Ungleichheiten durch Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die weitere Konsolidierung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Calderón hat angekündigt, die unter seinem Vorgänger Fox an der Oppositionsmehrheit im Parlament gescheiterten, aber wichtigen Reformen (insbesondere Steuerreform, Öffnung des Energiesektors, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Justizreform) erneut anzugehen. Kein einfaches Unterfangen, denn mit Anschlägen auf Gas- und Ölleitungen des Staatskonzerns Petroleos Mexicanos hat eine kleine Linksguerilla „Revolutionäres Volksheer“ (EPR) Mitte September 2007 weite Teile der mexikanischen Industrie für eine Woche lahmgelegt. Davon war u.a. auch Volkswagen de Mexico betroffen. Politische Beobachter halten weitere Anschläge der EPR für möglich.

Mit einem BIP von 811 Mrd. USD in 2006 verzeichnet Mexiko die größte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas und ist weltweit die zwölftgrößte Volkswirtschaft und zwölftgrößte Handelsnation bei einem Pro-Kopf-Einkommen in Höhe von fast 8.000 USD. Mexiko ist auch der fünftgrößte Erdölproduzent auch wenn Geld für Investitionen fehlt, die Reserven im Golf von Mexiko auszubeuten. Ausländische Investoren können helfen, die Wirtschaftskraft zu stärken und um die bemüht sich das Land. Bruno Ferrari Garcia de Alba, Generaldirektor der Außenwirtschaftsförderung ProMexiko legte das Projekt „Soft Landing“ vor, das es ausländischen Unternehmern erleichtern soll, in Mexiko Fuß zu fassen. Neben einem Einheitlichen Ansprechpartner für alle genehmigungsrelevanten Gründungsvorgänge, wir ein Ombudsmann eingesetzt. Das neue Unternehmen soll für eine gewisse Zeit beraten und betreut werden. Noch ist das in der Planungsphase, denn wo dieser Einheitliche Ansprechpartner angesiedelt werden soll, konnte auch das Wirtschaftsministerium nicht sagen. Eine Erfahrung, die wir auch gerade in Deutschland mit der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie machen.

Mexikos Wirtschaft wurde in den letzten Jahren stark dereguliert und privatisiert. Die Dominanz privater Firmen wächst ständig und die Privatisierung von Eisenbahn, See- und Flughäfen geht ihrem Ende entgegen, ebenso wie die weitere Privatisierung der Banken. Die Liberalisierung des Energiesektors schreitet weiter voran. In den Bereichen Telekommunikation und Petrochemie stehen noch Reformen aus.

Will Mexiko wirtschaftliches Wachstum dürfen nachhaltige Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur nicht ausbleiben. Der Individualverkehr der 25-Millionen Stadt Mexiko-City kennt nur Dauerstau. An 300 Tagen im Jahr sind Smog-, Ozon- und Feinstaubwerte gesundheitsschädlich. Der Mexikaner erträgt das mit Gleichmut und lebt unter einer bräunlichen Dunstglocke. Auch der ÖPNV ist kaum zufriedenstellend. Das in Stoßzeiten völlig überfüllte Metrosystem transportiert täglich 8 Millionen Menschen. Für den Anspruch einer modernen Großstadt ist es aber viel zu klein dimensioniert. Auch in den Bussen quälen sich die Menschen stundenlang zu ihren Arbeitsplätzen.

Das Geld für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur wäre vorhanden. Die Haushaltslage ist fast ausgeglichen. Die Verschuldung ist konstant. Die Inflationsrate liegt bei 4 %.Der Außenhandel weist ein Defizit von ca. 7,1 Mrd. Euro auf. Das wirtschaftliche Wachstum liegt bei 4,6% (BIP 2006) und die Arbeitslosenquote ähnlich wie in Baden-Württemberg bei 4,3%. Dennoch besteht eine starke Unausgewogenheit in der Reallohn-Verteilung. So leben 40% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. 10% der Mexikaner lebten nach Weltbankangaben in 2005 von weniger als einem Dollar täglich und können damit ihren Grundlebensbedarf nicht ausreichend decken. Rund 26 % der Bevölkerung müssen mit weniger als zwei Dollar täglich auskommen und leben unterhalb der statistischen Armutsgrenze. Bei der indigenen Bevölkerung wird der Armutsanteil sogar auf rund 80 % geschätzt. Ein Mittelstand wie bei uns hat sich bislang nicht ausgeprägt. Aber unter den 10 reichsten Menschen der Männer sind die Mehrzahl Mexikaner.

Regionen mit Unternehmen, die auf Weltmarktstandard produzieren, kontrastieren mit extrem rückständigen ländlich geprägten Bereichen des Landes, in denen bittere Armut herrscht. Mexikanische Arbeitskräfte emigrieren traditionell in großer Anzahl in die USA. In 2006 waren es Schätzungen zufolge wie in 2005 wieder ca. 400.000 Personen. Arbeitskräfte im Niedriglohnbereich sind daher billig. Für Facharbeiter oder Ingenieure müssen aber die gleichen Gehälter bezahlt werden wie in Deutschland.

Mexiko ist als Schwellenland gleichzeitig Mitglied der OECD, eine Tatsache, die Mexikos Selbstverständnis als Industrienation unterstreicht. Grundsätzlich herrscht nach innen und außen ein offenes Wettbewerbssystem vor. Verfassungsrechtliche Investitionsbeschränkungen bestehen insbesondere in der weitgehend staatlich und monopolistisch organisierten Energiewirtschaft (Erdöl, Elektrizität, Erdgasförderung). Kapitalverkehrskontrollen oder wesentliche Handelshemmnisse bestehen nicht. Mexiko ist durch ein beachtliches System von Freihandelsabkommen weltweit außenwirtschaftspolitisch vernetzt, darunter EU, USA und Japan.

Die ökonomische Leistungsfähigkeit des Landes verteilt sich recht ungleichmäßig zwischen den 31 Bundesstaaten und dem Bezirk der Hauptstadt. Knapp 40 % des BIP werden im Zentrum des Landes in und um die Hauptstadt Mexiko-Stadt erzielt. Weitere industriell geprägte Schwerpunkte sind die Bundesstaaten Nuevo Leon (Monterrey) im Norden mit einem BIP-Anteil von 7,2 %, Jalisco mit 6,4 % im Westen (Guadalajara) und Veracruz (bedeutendster Seehafen u. Erdölindustrie) mit 4% im Osten Mexikos.

Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet schwerpunktmäßig das BIP in den Bereichen: Dienstleistungen 69 %, Industrielle Produktion 27 % und Landwirtschaft 4%. Der Dienstleistungssektor schlüsselt sich weiter auf in die Bereiche ( in Prozentzahlen des Gesamt- BIP) Gesundheitswesen u. öffentliche Dienstleistungen 24,8 %; Finanzsektor 11,7 %; Handel 10,35%, Tourismus 7,59% und Sonstiges 14,5%. Die Staatsquote beträgt 23%.

Die Produktivität in den entwickelten und von multinationalen Unternehmen bestimmten Bereichen des mexikanischen Verarbeitenden Gewerbes ist mit der industrialisierter Länder vergleichbar. Dies gilt auch für die Produktivitätsfortschritte. Die Landwirtschaft in Mexiko ist dagegen in großen Teilen nicht konkurrenzfähig.

Mexikos Wirtschaft wird von einigen großen Unternehmen dominiert. Zunächst sind als Monopolisten der staatliche Erdölgigant Petróleos Mexicanos (Pemex) und die CFE (Comisión Federal de Electricidad) als größter Stromproduzent Lateinamerikas zu nennen. Ferner sind Namen wie Telmex (Telekommunikation), Cemex (international, über Readymix auch in Deutschland engagierter Zementhersteller), Banamex (größte Privatbank, zur Citigroup gehörend), Televisa und TV-Azteca (Radio und TV), Femsa und Grupo Modelo (Getränke, u.a. Corona-Bier), Grupo Bimbo (Lebensmittel) oder Industrias Peñoles (Bergbau, insbes. Silber) international tätig und über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt. All diese Unternehmen zeichnen sich durch den Einfluss privater Großinvestoren aus.

Die Konjunktur in Mexiko hat sich seit 2004 positiv entwickelt. Dabei profitierte das zweitgrößte lateinamerikanische Land v.a. von der dynamischen US-Wirtschaft, die fast 90% aller mexikanischen Ausfuhren aufnimmt und der NAFTA. Eine günstige und stabile gesamtwirtschaftliche Lage mit soliden Staatsfinanzen dient als Basis für eine gute Konjunkturentwicklung, Sprudelnde Öleinnahmen und ein anziehendes Steueraufkommen haben auch die öffentlichen Haushaltsdefizit weitestgehend beseitigt. in Mexiko hat sich im Laufe der letzten 10 Jahre ein solides Finanzwesen herausgebildet, das Lob vom Internationalen Währungsfonds erhält.

Ferner haben Mexikos Bundes- und Landesregierungen 2006 die Investitionsbedingungen ein gehöriges Stück optimiert. Dies geht aus der Weltbank-Studie „Doing Business 2007“ hervor. So rückte das Land im Vorjahresvergleich von Platz 62 auf Rang 43. Noch besser stünden einzelne Bundesländer dar, würden sie in diesem Ranking berücksichtigt.

Aber das realisierte Wachstum entspricht nicht dem Wachstumspotential der mexikanischen Volkswirtschaft. Im Vergleich mit anderen Schwellenländern bleibt Mexiko zurück Seine Wettbewerbsfähigkeit nimmt ab. Der Global Competitiveness Report 2006 des World Economic Forum ordnet Mexiko im Global Competitiveness Index 2006 an 58. Stelle ein, nach Platz 55 in 2005 und 48 in 2004 (in 2006 D 8, Chile 27, Brasilien 66, Argentinien 69). Die Reformbemühungen der bis November 2005 amtierenden Regierung Fox im strukturellen Bereich (Energie, Arbeitsmarkt, Steuerwesen, Telekommunikation, Justiz, Föderalismus) sind aufgrund einer wegen des präsidialen Systems weiterhin möglichen Oppositionsmehrheit im Parlament stecken geblieben.

Ungenügende Transparenz (trotz eines fortschrittlichen Transparenzgesetzes im öffentlichen Bereich) und Korruption sind weiterhin problematisch. Entsprechend rangiert Mexiko im Corruption Perceptions Index von Transparency International von November 2006 auf Rang 70 ( FIN 1, D 16, Chile 20, Brasilien 70, Argentinien 93) von insgesamt 163 Ländern. Seit 2000 ist Mexiko von Platz 51 auf 70 zurückgefallen. Dabei ist die Korruptionsintensität gleich geblieben, soll aber in vielen anderen Ländern abgenommen haben.

Kritisch wird nach wie vor die Verbrechensbekämpfung und –aufklärung durch die Polizei bewertet. Rechtssicherheit ist auch eine Frage der Unabhängigkeit der Justiz. Vom Grundsatz her ist in Mexiko die Justiz unabhängig. Dies gilt für die Bundesebene. In den Einzelstaaten ist die Unabhängigkeit der Richter sehr differenziert zu beurteilen.

Die hohe Kriminalität und Mängel des Justizwesens fördern die Unsicherheit, wirken schlussendlich kostensteigernd und haben naturgemäß negative Auswirkungen auf das Wirtschaftsklima.

Seit Mexiko seit Anfang der neunziger Jahre eine Freihandelspolitik betreibt hat sich die wirtschaftliche Situation des Landes verbessert. Seit Beginn des Freihandels sind die Ausfuhren bis heute um das Dreifache gestiegen. Mittlerweile entfallen 90% der Exporte auf Freihandelsabkommen. Der höchste Zuwachs wird bei den Erdölausfuhren verzeichnet. Bedingt durch die stark gestiegenen Ölpreise konnte ein Wachstum von 27,3 % verzeichnet werden.

Von den mexikanischen Exporten ( 2006 USD 250,3 Mrd. Exportquote damit 29%) entfallen über 80 % auf Industrieerzeugnisse, etwa 15,6 % auf Rohöl und Raffinerieprodukte sowie knapp 3 % auf landwirtschaftliche Produkte. Dabei ist die Abhängigkeit von den USA weiterhin ungebrochen. Im Rahmen der NAFTA wickelt Mexiko rund 75 % seines stark überschüssigen Außenhandels mit den Vereinigten Staaten ab. Die konjunkturelle Entwicklung der USA bestimmt also stark das mexikanische Wachstum.

Die wichtigsten Handelspartner Mexikos waren in 2006 nach den USA in der genannten Reihenfolge China, Japan, Deutschland und Kanada. Eine breitere geografische Streuung der Ausfuhr, beispielsweise nach Europa, mit Produkten jenseits von Obst und Gemüse, Bier, Spirituosen und Kunsthandwerk sollte möglich sein. Schließlich sind mexikanische Produkte auch auf dem größten Markt der Welt erfolgreich.

Die Konkurrenz aus Asien, insbesondere China, macht den mexikanischen Unternehmen nicht nur im nordamerikanischen Markt Anteile streitig. Sie dringt mit großer Kraft auch auf den heimischen Markt vor. Davon besonders hart betroffen sind die mexikanische Textil- und Elektronikindustrie.

Ausländische Investoren haben weiterhin Vertrauen in die mexikanische Wirtschaft. So stiegen die Direktinvestitionen 2006 weiter um USD 18,9 Mrd. und erreichten nach mexikanischen Angaben einen Bestand seit 1994 von USD 216 Mrd., davon USA USD 120 Mrd. bzw. 61 %. Auf Deutschland entfielen für diesen Zeitraum USD 4,5 Mrd. oder 2,3 %. Die deutschen Gesamtinvestitionen werden jedoch von der deutsch-mexikanischen Handelskammer auf 20 Mrd. USD geschätzt.

Mexiko verzeichnete 2006 eine ausgeglichene Zahlungsbilanz aufgrund eines beachtlichen vorzeitigen Auslandsschuldenabbau, der die ausländischen Direktinvestitionen iHv 19 Mrd. USD fast kompensierte. Das Leistungsbilanzdefizit betrug nur 2 Mrd. USD (0,3% BIP) wegen Mexikos hoher Erdölexporte (USD 39,1 Mrd.), den stetig zunehmenden Überweisungen der mex. Migranten in die USA (USD 23 Mrd.) und wachsenden Einnahmen aus dem Tourismus (USD 12 Mrd.) bei einem gesunkenen Handelsbilanzdefizits von 5,8 Mrd. USD. Die Devisenreserven lagen Ende 2006 bei 69 Mrd. USD und knapp 10 % des BIP. Der unbeschränkt konvertible und frei floatende Peso ist stabil.

Das Wachstum wird für die kommenden Jahre zwischen 3 und 5 % veranschlagt. Wesentliche Kräfte dieses Wachstums sind zum einen außenwirtschaftlich induziert durch die hohe Nachfrage nach in Mexiko gefertigten Gütern aus den USA und die hohen Rohölpreise, von denen Mexiko als wichtiges Förderland stark profitierte, zum anderen auch durch eine Zunahme der inländischen Nachfrage.

Der günstige volkswirtschaftliche Datenkranz darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wichtige Reformen immer noch ausstehen. Die Notwendigkeit einer umfassenden Steuer- oder Pensionsreform steht noch aus.

Die Beschäftigung wird nur in 32 urbanen Zentren erfasst. Allgemein gültige Aussagen über die Beschäftigungsstruktur und die Arbeitslosenquote (z. Zt. um 4%) sind deshalb nur sehr eingeschränkt möglich.

Dahingegen nimmt neben dem offiziellen der informelle Teil der mexikanischen Wirtschaft weiter zu und spielt eine wesentliche Rolle bei Beschäftigung und auch Versorgung der kaufkraftarmen Schichten der Bevölkerung. Bevölkerungswachstum, Bildungs- und Ausbildungsdefizite sowie der Mangel an offiziellen Arbeitsplätzen zwingen einen nicht unerheblichen Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung, sein Auskommen in diesem Sektor zu suchen. Der informelle Sektor dürfte um die 50 Prozent der arbeitswilligen Bevölkerung beschäftigen. Die Schäden für den offiziellen Teil der Wirtschaft einschließlich entgangener Steuern und Sozialabgaben sind riesig.

Wachstumsmärkte und –branchen in Mexiko sind v.a. Automobilbau und  Kfz-Teile, Elektronik, Telekommunikation, Informationstechnologien und Medizintechnik. Mexiko entwickelt sich zu einem globalen Standort zur Herstellung von Elektrohausgeräten und nach Asien und Mitteleuropa zu einem weltweit wichtigen Produktionsstandort für Fernsehgeräte mit LCD- und Plasma-Bildschirmen.

Mexiko will seine industrielle Entwicklung zudem durch Cluster forcieren. Das höchste Technologieniveau verzeichnet bisher der Automobilbau mit mehreren regionalen Zentren. Als wichtige Zukunftstechnologien gelten zudem Biotechnologie, Mechatronik, Software, Nanotechnologie, Flugzeugbau und Medizintechnik.

Mexiko hat u.a. im Bereich Umwelttechnik hohen Nachholbedarf. Die Zukunft von Mexikos Wasserversorgung wird von Jahr zu Jahr kritischer und bietet einen bedeutenden Exportmarkt für deutsche Technologien.

 

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© Dr. Reinhard Löffler MdL

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