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Vorsicht bei der Einfahrt...
die Warnung aus dem Lautsprecher, die jedes Kind aus
der Dampflokomotivenzeit der Schwäbischen Eisenbahn
kennt, hat sich ins Zeitalter der
Hochgeschwindigkeitszüge gerettet. Fahrplanmäßig,
aber leicht verspätet, fuhr der TGV aus Paris am
10.07.07 in den Stuttgarter Hauptbahnhof ein. Die
große europäische Ost-Magistrale erreichte mit
Stuttgart ihr erstes Etappenziel. Dieses historische
Ereignis haben auf dem Bahnsteig 4 und auf dem
Schlossplatz bei einem Live-Konzert viele Menschen
gefeiert. Tags zuvor rollte der TGV fast unbemerkt
zu seiner Jungfernfahrt von Stuttgart nach
Straßburg. Fabienne Keller, die Bürgermeisterin von
Straßburg empfing unseren OB Dr. Schuster mit einer
Delegation von Stadträten und holte alle persönlich
am neu gestalteten Bahnhof in Straßburg ab.

Im „Garten der zwei Ufer“, dem Jardin des deux Rives,
feierten die Verantwortlichen der SNCF, die Stadt
Straßburg und Repräsentanten aus den Regionen mit
großen Emotionen die Inbetriebnahme des TGV Est
Européen. Der „Garten der zwei Ufer“ verbindet
Frankreich und Deutschland mit einer kunstvoll
geschwungen Brücke. Symbolträchtig soll mit dem TGV
Europa noch näher zusammenrücken, der
wirtschaftliche Austausch und die kulturellen
Verbindungen sollen noch stärker intensiviert
werden. Ein „TGV für die Bürger Europas“, wie die
SNCF nicht ohne Stolz verkündet.

„Mesdames les vaches, prenez garde à vos cous“,
(liebe Kühe holt euch keinen steifen Hals) sagte
Anne-Marie Idrac, die Präsidentin der SNCF, in ihrer
Eröffnungsrede. Mit einer Reisegeschwindigkeit von
320 km/h könnte den Kühen diese Gefahr drohen, wenn
sie den vorbeirasenden Zügen hinterher schauen.
Obwohl, es sind Zweifel angebracht, dass sich die
Franzosen ernsthaft Sorgen um die grasenden Kühe
machen. Die Reisezeiten zwischen den verbundenen
Städten verkürzen sich fast um die Hälfte. In
Frankreich hat man erkannt, dass neben den
verbundenen Städten auch alle Regionen von der neuen
Hochgeschwindigkeitstechnologie profitieren. Im
Elsass, in Lothringen und in der Region
Champagne-Ardenne haben die Regionalräte besondere
Anstrengungen unternommen, um die Anschlüsse zu
optimieren. Die 21 Bahnhöfe in Frankreich, die in
der Stadtmitte liegen und den TGV Est Européen
empfangen, haben alle ein neues Gesicht erhalten.
Für die Innenausstattung des TGV war der Designer
Christian Lacroix verantwortlich. Er hat es
verstanden, Komfort mit Wohlfühlen und
Ausgeglichenheit zu verbinden. Notebookanschlüsse
für Geschäftsleute sind selbstverständlich. Aber
auch an Familien mit Kindern wurde gedacht. Einige
Bereiche lassen sich zu Spielflächen umbauen. Ein
ansprechendes gastronomisches Konzept gehört in
Frankreich sowieso zum Standard.

Die Reisegeschwindigkeit zwischen Straßburg und
Stuttgart ist streckenbedingt noch beschaulich. Die
Weltrekordgeschwindigkeit, die der TGV V150 mit
574,8 km/h hält, werden wir in Baden-Württemberg
nicht erreichen. Die Begeisterung der Franzosen, den
TGV bis ans Schwarze Meer fahren zu lassen, ist
ungebrochen. Bislang sind der Stuttgarter
Sackbahnhof und der Albaufstieg Wendlingen-Ulm
Nadelöhre. Diese gilt es zu beseitigen. 1865 war der
Albaufstieg der Eisenbahn eine Meisterleistung der
Ingenieurkunst. 150 Jahre später wird es Zeit, diese
Strecke an die modernen Hochgeschwindigkeitszüge
anzupassen. Dafür müssen wir kämpfen.
Umfahrungsalternativen gäbe es. Kämen diese zum
Zuge, hätte unser Land einen kaum aufholbaren
wirtschaftlichen Nachteil, denn Stuttgart läge dann
im Verkehrsschatten. Nur die Vernetzung der
Verkehrswege und die Anbindung an die Landesmesse
bieten eine Prosperitätschance für unseren
Mittelstand, für unsere Industrie und die Menschen
in unserem Land. Die gilt es zu nutzen. Wenn unser
ICE diese Strecke auch fahren kann, umso besser. Wir
leben im Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge. Es
wäre fatal, wenn der Zug ohne uns aus dem Bahnhof
führe.
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