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The Day after Tomorrow, wohin mit dem CO2? 

Kohlendioxid (CO2) ist mitverantwortlich für den natürlichen Treibhauseffekt unsere Atmosphäre und den Stoffwechsel der Pflanzen. Für das Leben auf unserem Planeten ist CO2 daher unerlässlich. Wird CO2  im Übermaß produziert, heizt sich die Atmosphäre auf. Das Klima verändert sich. Diese Veränderung spüren wir schon heute. Schuld am CO2-Anstieg sind die Verbrennungsmotoren unserer Autos, der Energieverbrauch der privaten Haushalte und die Verbrennung fossiler Rohstoffe auch in den Kraftwerken. Der Trend beim Energieverbrauch in der EU zeigt nach oben. Kohle, nicht gerade ein klimafreundlicher Brennstoff, ist der einzige fossile Energieträger, der weltweit noch langfristig und reichlich zur Verfügung stehen wird.

Noch decken wir mit Atomstrom einen großen Teil unseres Energiebedarfs. Auch wenn wir uns in der CDU für eine längere Laufzeit für Atomenergie aussprechen, sind der Kernenergie langfristig Grenzen gesetzt. Erneuerbare Energiequellen vermögen wir mittelfristig noch nicht in ausreichendem Maß zu nutzen. Die Steigerungsmöglichkeiten der Energieeffizienz sind langfristig absehbar. Daher wird mittel- und langfristig kein Weg an einer klimaverträglichen Nutzung der Kohle vorbeiführen. Dies ist dann möglich, wenn es gelingt CO2 bei der Verbrennung ohne Abgabe an die Atmosphäre zu trennen und zu speichern.

Eine erste Pilotanlage einer CO2–freien Kohletechnologie mit einer thermischen Leistung von 0,5 Megawatt wird im Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen in der Universität Stuttgart entwickelt. Eine 30-Megawatt-Pilotanlage wird leider nicht bei uns sondern in Brandenburg im nächsten Jahr ihren Praxistest bestehen, bevor noch größere Anlagen in Produktion gehen sollen.

Das Verfahren der Trennung und Verwahrung (Sequestrierung) von CO2 ist technisch aufwendig und bislang noch nicht wirtschaftlich. Noch immer treten bei diesen Verfahren große Wirkungsgradverluste auf. Dennoch haben die USA und die EU die CO2-Speicherung als ein wichtiges Forschungsthema erkannt. Diese Brückentechnologie soll vor allem die Lücken solange schließen, bis in Zukunft die Nutzung preisgünstigerer erneuerbarer Energien in ausreichendem Umfang möglich sein wird.

Bislang gibt es drei Verfahren, CO2.von anderen Gasen zu trennen:

1

Das Rauchgas wird nach der Verbrennung mit einer Aminlösung gewaschen, die nach einer Regeneration erneut zur Absorption von CO2.eingesetzt werden kann. Nachteil: hoher Wirkungsgradverlust und hohe Betriebskosten.

2

Aus der Kohle wird zuerst ein Synthesegas erzeugt, das CO (Kohlenmonoxid) enthält. In einem anschließenden Prozessschritt wird das CO zu CO2. umgesetzt und vor der Verbrennung entfernt. Dabei entsteht Wasserstoff für die Gasturbine des Kraftwerks mit kombiniertem Gas/Dampf-Prozess und integrierter Kohlevergasung. Mit dieser IGCC-Technologie (Integrated Gasification Combined Cycle) plant die RWE das erste „CO2.-freie Kohlekraftwerk“ der Welt mit 450 MW Leistung. 2014 könnte diese Anlage ans Netz gehen.

3

Beim Oxyfuel-Prozess wird zunächst der Stickstoff in einer Luftzerlegungsanlage aus der Verbrennungsluft entfernt. Anschließend wird die Kohle unter fast reinem Sauerstoff verbrannt. Dadurch entstehen höhere Temperaturen als es unter der Beteiligung von Stickstoff der Fall wäre. Damit sind höhere Wirkungsgrade möglich. In Stuttgart wird daran geforscht.

CO2. muss nach der Trennung gelagert werden. Als Gas oder superkritisches Fluid (der Unterschied zwischen Gas und Flüssigkeit ist in diesem Zustand aufgehoben) kann CO2. unter abdichtenden Gesteinsschichten über kurze und mittlere Zeiträume festgehalten werden. Das CO2 kann sich in porösem Sandstein ablagern und chemisch mit Kalzium, Magnesium und Eisen reagieren und Kalksteine und Dolomite bilden. Für eine sichere Nutzung der CO2.-Speicher ist jedoch eine geologische Abdichtung notwendig, wie sie wasserstauende Schichten aus Ton, Lehm und Gips bieten. Auch salzwasserhaltige Sandsteinschichten („saline Aquifere“) eignen sich für eine dauerhafte Speicherung. Erdöl- und Erdgas-Produzenten nutzen schon seit einiger Zeit das Injizieren von CO2., um die Ausbeute von Kohlenwasserstofflagerstätten zu erhöhen. Übrig gebliebenes CO2. wird in den Untergrund zurückgepresst..

Am Standort Ketzin in Brandenburg läuft ein wissenschaftliches Projekt zur CO2 –Speicherung. Geochemische und geophysikalische Messungen und Experimente in Bohrlöchern müssen nachweisen, dass das unterirdisch gelagerte CO2 dauerhaft im Boden bleibt. Nur dann lässt sich von einem CO2 -freien Kraftwerk sprechen.

Wenn mit dieser Technologie CO2 -Emissionen bei Kraftwerken erfolgreich verhindert werden können, wird damit der Prozess der Klimaerwärmung verlangsamt. Allein diese Aussicht veranlasst die USA und die EU, in den nächsten Jahren erhebliche Forschungsgelder zur Verfügung zu stellen. Die Universität Stuttgart ist der Vorreiter. Insgesamt sind Lehre und Forschung in Baden Württemberg hervorragend aufgestellt:

Prof. Dr. Reto Gieré vom Mineralogisch-Geochemischen Institut der Universität Freiburg erforscht Feinstäube, die chemische Bindung von CO2, mögliche Lagerstätten und Kontaminationsrisiken durch Leckagen.

Prof. Dr. Günter Scheffknecht vom Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen Universität Stuttgart erforscht das Oxyfuel-Verfahren an einem 12 Meter hoher Versuchsreaktor. Die einzelnen Prozessschritte der CO2.-Abscheidung, die Möglichkeiten der CO2-Abscheidung und die Folgen für mögliche CO2.-Speicherungstechnologien sowie die Entwicklung bei den Wirkungsgraden der Kraftwerke in der Zukunft, sind Schwerpunkte der Forschung.

Prof. Dr. Vincent Heuveline, Lehrstuhl für Numerische Verfahren auf Hochleistungsrechnern an der Universität Karlsruhe beschäftigt sich mit der Simulation hochkomplexer Prozesses wie der CO2–Speicherung. Die Universität Karlsruhe besitzt den drittleistungsfähigsten

Höchstleistungsrechner in Deutschland. Der schnellste Supercomputer des Landes Baden-Württemberg verfügt über 3000 Prozessoren und kann in einer Sekunde 15,6 Billionen Rechenoperationen durchführen.

Leider nützen wir unsere Möglichkeiten im Land nicht. Das Umweltministerium ist zurückhaltend. Die Antwort auf meine parlamentarische Anfrage (Drucksache 14/940) war enttäuschend. Der Wirkungsgrad der CO2-Kraftwerke sei noch zu gering. Die Konzepte zur CO2 –Abscheidung und –Speicherung seien noch nicht ausgereift. Daher plane das Land nicht, Standorte zur CO2  Lagerung zu suchen. Es fehle zudem an einer Transportinfrastruktur und es bestünde die Gefahr von Lecks in Lagerstätten. Diese Haltung ist bedauerlich. Das theoretische Konzept wird mit Steuergeldern des Landes finanziert. Die daraus entstehenden Projekte werden bis zur Marktreife jedoch in anderen Bundesländern und im Ausland verwirklicht. Ich werde nicht locker lassen und in Ausschusssitzung dafür eintreten, dass wir in Baden-Württemberg diese Technologie auch in neuen Kraftwerken einsetzen, denn nur so können wir den CO2-  Ausstoßes in die Atmosphäre um 45 % verringern. Umwelttechnologie ist auch eine Standortfrage.

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© Dr. Reinhard Löffler MdL

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