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Flughafen Stuttgart / Namensänderung

Viele Flughäfen tragen
den Namen bedeutender Persönlichkeiten. In Stuttgart
ist das bislang nicht der Fall, obwohl immer wieder
Empfehlungen unterbreitet werden. Zuletzt schlug die
FDP-Gemeinderatsfraktion vor, den Flughafen
Stuttgart in Theodor-Heuss-Flughafen umzubenennen.
Theodor Heuss war ein großer Staatsmann. Unser Land
hat ihm viel zu verdanken. Ein Flugpionier war
Theodor Heuss jedoch nicht und auch ansonsten bringt
man ihn nicht in Zusammenhang mit der Fliegerei.

Die Diskussionen um die
Namensänderung des Stuttgarter Flughafens muss ein
Ende haben. Das Land hat viele verdiente politische
Persönlichkeiten in allen Parteien hervorgebracht.
Es ist zu befürchten, dass auch von den anderen
Parteien Vorschläge präsentiert werden und die
Erörterung darüber die politische Sacharbeit in den
Hintergrund drängt. Wir schulden in unserem Land
einem Flugpionier Dank und Respekt, der vor fast 200
Jahren einen Flugapparat konstruierte, um mit ihm
über die Donau zu fliegen. Sein Name ist Albrecht
Ludwig Berblinger, besser bekannt als der „Schneider
von Ulm“. Berthold Brecht und Max Eyth haben ihn
literarisch gewürdigt. Filme, Hörspiele und
Theaterstücke sind über ihn geschrieben worden. Eine
angemessene Anerkennung als schwäbischer Tüftler,
Erfinder und erster Flugpionier ist ihm bislang
versagt geblieben, obwohl sein Flugapparat eine
bahnbrechende Ingenieurleistung war. 1811 stürzte er
mit seinem Fluggerät von der Adlerbastei in die
Donau, weil die Thermik fehlte. Dennoch war
Berblingers Fluggerät flugtauglich, wie durch einen
Nachbau bewiesen wurde. Berblinger wusste nicht,
dass die an Flüssen auftretenden Fallwinde für das
Gleitfliegen ungeeignet sind er besser den an
Berghängen herrschenden Auftrieb für sein Fluggerät
genutzt hätte. Stuttgarts Flughafen muss den Namen
von Albrecht Ludwig Berblinger tragen.

Wir dürfen uns nicht
dadurch beirren lassen, dass der erste Flugversuch
nicht erfolgreich war. Bekanntlich hat sich auch der
Flugapparat von Leonardo da Vinci nie in die Lüfte
erhoben und dennoch trägt ein römischer Flughafen
heute seinen Namen. Es gibt keinen Grund, sich des
Schneiders von Ulm zu schämen oder ihn nur wegen
seines Scheiterns totzuschweigen. Berblinger hat
alle positiven Eigenschaften eines Schwaben gezeigt:
Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Erfindungsreichtum. Er war
ein Visionär und hat den Traum vom Fliegen gelebt,
bevor es bei uns die Eisenbahn gab und die Menschen
noch mit Pferdekutschen unterwegs waren. Wenn wir
heute fast 200 Jahre nach dem ersten Flugversuch den
Stuttgarter Flughafen nach ihm benennen, ist das
nicht nur die Anerkennung für seine
Ingenieurleistung, sondern auch Wiedergutmachung für
obrigkeitsstaatliches Unrecht. In den Chroniken wird
nämlich berichtet, dass Berblinger wegen ungünstigem
Wind nicht fliegen wollte, aber ein Gendarm ihm
Fußtritt versetzte, so dass er in die Tiefe stürzte.
Ohne diesen amtlichen Übereifer hätte die technische
Entwicklung einen völlig anderen Weg einschlagen
können.

Nur auf den ersten Blick wirkt der Name
Albrecht-Ludwig-Berblinger-Flughafen etwas sperrig.
Ersetzt man Flughafen durch Airport, so wie es
international üblich ist, könnte die Abkürzung
ALB-Air zu einem markenstarken Begriff werden, der
auch den regionalen Bezug nicht unberücksichtigt
lässt. Damit wird aus unserer Stadt endlich das
Wissen in die Welt hinausgetragen, dass es mit dem
Schneider von Ulm einen schwäbischen Ikarus gab, der
ein Pionier der modernen Fliegerei ist.

Wir
fordern die Verwaltung auf:

Die Stadt verständigt sich mit dem andern
Gesellschafter des Stuttgarter Flughafens, dem Land
Baden-Württemberg, über die Namensänderung und
sichert sich die Namensrechte
Albrecht-Ludwig-Berblinger-Flughafen und
ALBA-Stuttgart;

Die Stadtverwaltung
öffnet am 01.04.09 auf Ihrer Homepage ein
interaktives Portal, um die Bürger zu dieser
Namensänderung äußern können;

Die Namensänderung
erfolgt spätestens zum 01.04.2011, dem 200.
Jahrestag des ersten Flugversuchs;

Die Stadt sichert sich
die Rechte an Berblingers Konstruktionszeichnung
seines Hängegleiters und macht diese Zeichnung zum
Logo des Flughafens.

Dr. Reinhard Löffler
Philipp Hill

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