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Kuriositäten aus Anträgen im Landtag

Der geneigte
CDU-Intern-Leser mag mir es nachsehen, dass ich
heute mal weniger ernsthaft über landespolitischen
Themen berichte. Das sind so die Nachwehen des
politischen Aschermittwochs. Auch in die Politik
sollte die Frotzelei nicht völlig verloren gehen.
Ich räume dabei gerne ein, dass mir die
tierschutzrechtlichen Tragik meines Beitrags wohl
bewusst ist und ich wenig Verständnis von den
Tierfreunden erfahren darf, wenn ich über Ferkeleien
berichte. Ich entschuldige ich mich in aller Form
und berufe mich das Verfassungsrecht der
Pressefreiheit.

1. SPD-Antrag: „Kastrierschmerz bei männlichen
Ferkeln“

So lautet die
Überschrift zu einem Berichtsantrag der SPD (Drs.
14/2037) an den Landtag. Das wörtliche Zitat ist mir
wichtig, weil ich der Tautologie ihre
urheberrechtliche Originalität nicht nehmen will.
Gefragt wird nach Kastriermethoden, Schmerzmitteln,
Narkose und den aktuellen wissenschaftlichen
Erkenntnissen, denn es fehle – so in der Begründung
– an „einer gesellschaftlichen Diskussion“ über
dieses Thema. Diese möchte ich hiermit anstoßen. Ich
rege an, einen Chat-Room einzurichten, Leserbriefe
zu schreiben, Lichterkerzen anzuzünden oder
Unterschriften für eine Bürgerinitiative zu sammeln.
Das kastrierte männliche Ferkel wird es uns danken.
Zwar ist der Antrag nicht geschlechtsneutral
formuliert oder neudeutsch nicht „gegendert“ aber
die Kastration weiblicher Ferkel kommt ja auch nur
in seltenen Ausnahmefällen vor. Es ist barbarisch.
Kastriert wird nicht etwa, damit die Schweine das
hohe „C“ klarer grunzen können, sondern weil das
Fleisch nicht kastrierter „männlicher“ Tiere einen
Eigengeschmack aufweist. Das ist wichtig zu wissen
für jeden ALDI-Gourmet. Wissenswert ist auch, dass
der Eingriff durch einen geübten Operateur pro
Ferkel unter einer Minute liegt und dass der Einsatz
des Schmerzmittels und der Anästhesiebehandlung vom
Alter des Ferkels abhängt.

Die Wundheilung eines
Ferkels in den ersten Tagen der Geburt ist
einfacher, weil die in der Sauenmilch enthaltenen
Antikörper das Ferkel gegen Infektionen schützen.
Alles was der geneigte Leser früher im
Biologieunterricht versäumt hat, kann er heute
nachholen. Vielleicht lesen Sie Antrag und
Beantwortung der Anfrage (http://www.landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/2000/14_2037_D.PDF)
im Internet nach und erfahren Sie mehr durch
weiterführende Links und Literatur zur
„Ferkelkastration einschließlich Alternativen“.

2. SPD-Antrag: Bekämpfung von Feldmaikäfern im
Kaiserstuhl

Der Landtag muss jedem
Problem gewachsen sein. So ist auch die
Maikäferbekämpfung Gegenstand von Anträgen, mit
denen sich das MLR rumschlagen muss. Insbesondere
scheint der vermehrt im Kaiserstuhl auftretende
Feldmaikäfer samt seiner Engerlingbrut ein besonders
unerwünschter Geselle zu sein. Er ist das erklärte
Feindbild der SPD, weil im nächsten Jahr ein
Hauptflugjahr des Feldmaikäfers zu erwarten sei. Das
kann in einem Jahr, in dem Bundestags, Europa- und
Kommunalwahlen stattfinden, schon gar nicht angehen.
Die SPD will wissen, wie die Landesregierung den
„möglichen Einsatz von Netzen zur Maikäferbekämpfung
einschätzt“ und „warum die Insektizidausbringung per
Hubschrauber kostenlos ist, während der Einsatz von
Pilzsporen oder Ablenkfütterung von den Winzern
selbst zu finanzieren sind“. Wer das schon immer
wissen wollte, wird unter Drucksache 14/2004 fündig.
Der Antrag stammt vom 16.11.2007.

3. Kleine Anfrage der Grünen zum Pestizideinsatz
gegen den Waldmaikäfer

Ein verwandter Vetter
des Feldmaikäfers, der Waldmaikäfer hat es da
besser. Die Grünen zeigen sich verschnupft über den
großflächigen Pestizideinsatz gegen diese Spezies
und fragen hartnäckig nach Lage, Größe und Kriterien
der Einsatzfläche sowie nach den Kosten der
Bekämpfungsaktion ( Drs. 14/1328) Wer will den das
wissen? Mehr Erkenntnisse sind doch von den
wissenschaftlichen Begleituntersuchungen zu erwarten
und da ist allemal von öffentlichem Interesse, wie
die Verwaltung bei den Totenfall-Kontrollen
vorgegangen ist und welches Ergebnis die
Schüttelproben zur Gewinnung von Weibchen für
Ovarien-Untersuchungen gebracht haben. Die größte
Befriedigung wissenschaftlicher Neugier verschafft
aber nur die Erkenntnis darüber, warum der
insektenpathogene Pilz Beauveria brongniartii, der
natürliche Feind aller Engerlinge, so ein Versager
ist und er sich nicht nennenswert bei der
Dezimierung der Engerlingpopulation in Szene setzen
kann. Nieten können wir uns nicht leisten. Ross und
Reiter sind zu nennen und einer gerechten Bestrafung
zuzuführen. Es sind schon Stimmen laut geworden,
dass der Landwirtschaftsminister Peter Hauk dafür
die Verantwortung zu tragen hat. Mit seiner
Demission wird täglich gerechnet.

Fazit: Die Opposition
ist wirklich auf der Hut. Die wirklich wichtigen
Dinge des Lebens finden einen angemessen Platz in
der politischen Diskussion. Darauf das Dichterwort:
Unser Land trägt Edelstein.

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